Hundert Märkte, tausende kleine Geschäfte
Diesmal habe ich Paris mit anderen Augen betrachtet, mit dem Blick auf Beispiele für gute Nahversorgung. Auf der Studienreise des Gemeinderatsausschusses für Frauen, Integration, Personal und KonsumentInnenschutz vom 28. September bis 1. Oktober.


Überall kleine Nahversorger
Wenn ich bei meinen sonstigen Parisaufenthalten vor allem von der Weite der Plätze, Avenues und Boulevards beeindruckt war, so war ich es diesmal von den dicht gedrängten, engen Geschäften aller Art, die umfassende Nahversorgung bieten. Kleine und große Straßen sind flankiert von unzähligen Minisupermärkten, Bäckereien, Konditoreien, Fleischerläden, Greißlereien, wo man alles bekommt, und spezialisierten Läden wie etwa Pasteten- oder Weingeschäften. Dazwischen gibt es Dienstleistungsbetriebe wie Friseurläden, Schneidereien und verschiedenste kleine Restaurants. Auf den Wegen zur und von der Arbeit kann man alles, was man zum täglichen Leben braucht, erledigen.


Keine Riesensupermärkte
In den 20 Arrondissements von Paris findet man kaum einen großen Supermarkt, kaum ein leer stehendes Geschäftslokal. Dafür sorgen die politischen Rahmenbedingungen, die die Pariser Stadtregierung geschaffen hat. In Paris sind Supermärkte, die eine gewisse Größe überschreiten, im Wesentlichen verboten. Die ursprüngliche kleinteilige Struktur der Erdgeschosse in den Pariser Häusern blieb daher bis heute bestehen. Leider gibt es Anzeichen, dass das Supermarktverbot aufgeweicht werden soll.


Ganz kleine Pariser Supermärkte
Beharren auf Branchen und Vorkaufsrecht der Stadt
In Pariser Geschäftsstraßen müssen zudem leer gewordene Lokale wieder mit derselben Branche wie vorher besetzt werden. Wenn etwa eine Bäckerei schließt, muss dort eine neue Bäckerei aufmachen. Für bestimmte Stadtteile gibt es außerdem ein Vorkaufsrecht der Stadt Paris. Die Gemeinde hat das Recht, längere Zeit leer stehende Geschäftslokale aufzukaufen und entweder weiterzuvermieten oder zu verkaufen – natürlich unter Wahrung der vorherigen Branche. So wird ein guter Branchenmix in einer Straße vor dem Überhandnehmen von Wettbüros, Handyshops oder Ramschläden geschützt.

Stadt der Märkte
Paris hat auch 100 Märkte verschiedenster Art – gemischte Straßenmärkte Markthallen und spezialisierte Märkte wie z.B. drei Blumenmärkte, einen Briefmarkenmarkt und mehrer Flohmärkte. Die Markthallen sind sechs Tage in der Woche geöffnet, die Straßenmärkte hingegen in der Regel nur zwei oder drei Tage, einen davon am Wochenende. Da die PariserInnen gerne am Wochenende mit der ganzen Familie auf den Markt gehen, sind die Straßenmärkte beliebter als die Markthallen. Aber in jedem Fall steht Paris zu seinen Märkten, auch wenn sie die Stadt einiges kosten.

Der Blumenmarkt auf der Ile de la Cite.

Ein größerer Pariser Straßenmarkt.
Paris als Vorbild für Wien
Paris zeigt, dass regulative Rahmenbedingungen für den Erhalt von Nahversorgung und Märkten geschaffen werden können, wenn der politische Wille vorhanden ist. In Wien fehlt er. Meine Vorschläge für Leerstandsabgabe und Prüfung eines Vorverkaufsrechts wie in Paris wurden von SPÖ und ÖVP nicht einmal diskutiert. Ich werde aber Stadträtin Frauenberger das Pariser Vorbild nicht vergessen lassen und auf entsprechende Maßnahmen in Wien drängen.

Eine der Pariser Markthallen

Kleiner Straßenmarkt beim Aufbau