Treibstoffe aus Pflanzenanbau bringen nichts für den Klimaschutz

Kürzlich kamen WissenschaftlerInnen vom US Marine Biological Laboratory (MBL) anhand von Simulationen zu dem Schluss, dass so genannte Biotreibstoffe – richtigerer Begriff Agrotreibstoffe – aus großflächig angebauten Pflanzen, in der Regel Nahrungspflanzen, den Ausstoß von schädlichen Klimagasen noch verschärfen werden. Vor dem Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember 2009 fordern sie im renommierten Wissenschaftsmagazin Science, den aktuellen Agrotreibstoff-Boom schleunigst zu beenden. Andernfalls sagen sie ein düsteres Szenarium voraus.

Es ist nicht die erste Studie, die darauf hinweist, dass Agrotreibstoffe keine Klimalösung bringen. Trotzdem wurde immer wieder in den Raum gestellt, dass Agrokraftstoffe eine klimaneutrale Alternative zu fossilen Brennstoffen darstellen würden. Damit räumt die aktuelle Studie nun endgültig auf. Statt dessen prognostiziert sie und abnehmende Nahrungsproduktion durch Agrosprit.

Um landwirtschaftliche Flächen für die Treibstoffproduktion zu gewinnen, werden einerseits Regenwälder abgeholzt oder gar brandgerodet. Bäume sind enorme CO2-Speicher. Bei der Rodungen geht ihre unersetzliche klimaschützende Rolle verloren. Große Mengen an gespeichertem CO2 entweichen in die Erdatmosphäre. Andererseits werden Ackerflächen der Lebensmittelproduktion für die Agrotreibstoffproduktion umgewidmet. Statt Nahrung für Menschen wird Futter für Autos produziert.

In beiden Fällen muss der industrielle Anbau von Pflanzen für die Spritproduktion durch umweltschädliche Pestizide, Herbizide und durch Kunstdünger ermöglicht werden. Aus Kunstdünger entsteht jedoch durch chemische Reaktionen im Boden Distickstoffmonoxid (N2O), so genanntes Lachgas. Dieses ist etwa 300 mal klimaschädlicher als CO2. Schon jetzt produziert die konventionelle Landwirtschaft 80% des globalen Ausstoßes an Lachgas. Mit dem Pflanzenanbau für Agrosprit wird es mehr.

Im Zusammenhang mit Agrotreibstoffen steigt auch die Akzeptanz der Gentechnik in der Landwirtschaft. Sogar Josef Pröll konnte sich, damals noch Landwirtschaftsminister, den Anbau von genmanipuliertem Saatgut für Agrotreibstoffe in Österreich vorstellen – unter Missachtung des österreichischen Gentechnikvolksbegehrens. Ob für Treibstoff oder Nahrungsmittel, die ökologischen Probleme der Gentechnik bleiben dieselben.

Agrotreibstoffen der zweiten Generation aus Biomasse wie Stroh, Rinde, Blätter, Mist, Küchenabfälle, Holzschnitzel sind ebenfalls kritisch zu betrachten. Denn sie entziehen die Biomasse dem landwirtschaftlich genutzten Boden, der sie für seine Regeneration braucht. Dann wird wieder klimaschädlich gedüngt.

Die Beimischungsziele der Industrieländer können nur durch den Import großer Mengen an pflanzlichen Rohstoffen aus dem Süden erreicht werden. Dort werden Ackerflächen dafür akquiriert. Ergebnis: Enormer Preisanstieg bei Grundnahrungsmitteln. Zwischen Jänner 2005 und Juni 2008 verdreifachte sich der Maispreis. Weizen wurde um 127% teurer, Reis um 170%, Palmöl um 200%, Sojaöl um 192%. In Brasilien führte die Ausweitung des Zuckerrohranbaus für Agrosprit auf Weideland zu einer Erhöhung des Milchpreises um 50%. Menschen werden von ihrem Land vertrieben wie etwa die Gemeinde Batang Kuma (Sumatra), deren Häuser niedergebrannt wurden, um neue Ölpalmplantagen errichten zu können. Die Ernährungssicherheit sinkt, Armut und Hunger steigen.

... statt Grundnahrungsmittel für arme Menschen?

Ölpalmplantagen für Agrosprit ...

Radikales Umdenken ist gefordert. Nicht über Ersatz für Erdöl muss nachgedacht werden, sondern über sofortige Maßnahmen zur drastischen Reduktion des Energieverbrauchs und der Treibhausgase, u.a.:

  • Steigerung der Energieeffizienz
  • Eindämmung des PKW-Verkehrs, Vermeidung von LKW-Transporten
  • Stärkere Besteuerung von Kerosin und Schiffstreibstoffen
  • Umstieg auf erneuerbare nachhaltige Energieträger
  • Umstellung der landwirtschaftlichen Flächen auf ökologische Landwirtschaft
  • Keine Spekulation auf Agrarprodukte
  • Agrarreformen als Instrument zur Ernährungssicherung
  • Umstellung auf sozial, ökologisch und frauenpolitisch verträglichen Welthandel

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