Warum das Parkpickerl die Lebensqualität in Wien hebt.

Wir Grüne bemühen uns um ein gutes Leben für alle in Wien. Dazu muss es einen gewissen Interessensausgleich geben, z.B. zwischen AutofahrerInnen, die ungestört fahren, parken und wenig zahlen wollen, BewohnerInnen von Durchzugsstraßen, die besonders unter Abgasen, Feinstaub und Lärm leiden, RadfahrerInnen, die bequem und sicher fahren und Ihre Räder abstellen wollen. Schwer, alles unter einen Hut zu bringen. Natürlich gibt es Widerstand, wenn eine Gruppe plötzlich ihr gewohntes Verhalten ändern soll. Aber wenn das gewohnte Verhalten auf Kosten einer anderen Gruppe stattfindet, muss die Politik lenkend einschreiten. Das ist der Grund für die Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung, die hauptsächlich auf eine Reduktion des Autoverkehrs in Wien abzielt.

Die Erfahrung der zehn Wiener Bezirke, die das Parkpickerl schon seit Jahren haben, zeigt, dass es wirkt. Der Autoverkehr geht zurück, die Straßen werden sicherer, Parkplätze sind leichter zu finden, der Lärm in Wohnbereichen nimmt ab, die Luft wird besser. Mehr Lebensqualität insgesamt. Im dritten Bezirk stieg die Anzahl der freien Parkplätze sogar am Abend zwischen 20.00 und 22.00 Uhr um 11,34%. Auch im Fasanviertel, dem dichtest besiedelten Viertel Wiens, wo ich vor einiger Zeit um 20.00 Uhr noch viele freie Parkplätze vorfand. Niemand muss dort viel länger als fünf Minuten vom Auto zur Haustür gehen. Vor der Parkraumbewirtschaftung war das Fasanviertel überparkt. Die Zustimmung zum Parkpickerl stige dementsprechend. Die Vorteile sind ja offenkundig.

Der öffentliche Raum gehört allen, seine Erhaltung ist teuer. In einer Großstadt ist er zudem Mangelware. Es ist daher nur fair, dass die Allgemeinheit für die Privatnutzung durch parkende Autos entschädigt wird. Auch für Schanigärten und andere private Nutzungen des öffentlichen Raumes muss bezahlt werden. Die Empörung von manchen AutofahrerInnen ist daher im Sinne des Allgemeinwohls nicht verständlich, im Sinne ihrer Eigeninteressen nur dann, wenn sie die Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität und Gesundheit durch Feinstaub, Abgase und Lärm ignorieren. Aber die Allgemeinheit – inklusive der Menschen, die keine Auto besitzen, – subventioniert jeden gefahrenen Kilometer der AutofahrerInnen mit 40 Cent. Da gibt es keine Empörung.

Täglich pendeln 530.000 Menschen nach Wien, 80% davon mit dem Auto. Sie erhöhen den Parkplatzdruck in den Außenbezirken massiv. Deshalb muss dort rasch für Entlastung gesorgt werden, daher Parkraumbewirtschaftung ab 1. Oktober. Noch länger zuwarten wäre angesichts der Auswirkungen für Gesundheit und Umwelt unverantwortlich gewesen. Ein umfassendes Konzept für die Verkehrssteuerung in ganz Wien werden im Auftrag von Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou ab August Verkehrsfachleute, darunter VertreterInnen der Verkehrsorganisationen,  gemeinsam mit BezirksvorsteherInnen ausarbeiten. Es wird den gegenwärtigen Anforderungen und vor allem dem Wien der Zukunft gerecht werden. Innerhalb der darauffolgenden sechs Monate werden die Wienerinnen und Wiener dazu befragt. Eine Befragung zur Parkpickerlausweitung wäre verfassungswidrig gewesen, da die Wiener Stadtverfassung Fragen zu Gebühren nicht zulässt.

Ich wage jedenfalls zu behaupten, dass viele der 150.000 Menschen, die für eine Befragung über das Parkpickerl unterschrieben haben, bald recht zufrieden damit sein werden und vielleicht sogar nach einer weiteren Ausweitung rufen werden, wie das ja eben erst in Neu Marx im dritten Bezirk geschehen ist.

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