Das Deserteursdenkmal wird auch ihn ehren.

Nach mehr als 20 Jahren unermüdlicher Grüner Bemühungen und Arbeit wird nun endlich die Forderung nach einem Deserteursdenkmal umgesetzt werden. Seit 1992 haben Grüne Gemeinde- und NationalrätInnen nie aufgehört, diese Forderung in der politische Debatte präsent zu halten und ihr Nachdruck zu verleihen.

Kürzlich wurde der künstlerische Wettbewerb für die Denkmalsgestaltung mit der Auswahl des Entwurfs des Berliner Künstlers Olaf Nicolai beendet. Dank Grüner Regierungsbeteiligung in Wien werden Deserteure der Wehrmacht demnächst mit dem lange geplanten Denkmal geehrt werden. Im Herzen der Republik, am Ballhausplatz, gleich neben dem Heldenplatz. Auf Bundesebene erfolgte parallel, nach ebenfalls jahrelangen Bemühungen, die Rehabiltierung der Wehrmachtsdeserteure.

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Auch meinen Vater, Alois Lachkovics, wird das Denkmal posthum ehren. Leider kann er die vollständige Rehabilitierung und Anerkennung der Wehrmachtsdeserteure nicht mehr miterleben. Auch die Deserteursausstellung 2009 in Wien konnte er gerade nicht mehr sehen. Trotzdem freue ich mich jetzt für ihn.

Er war Schüler der fünften Klasse Realgymnasium in Favoriten, als er Anfang Jänner 1944, noch nicht 16 Jahre alt, von der Schulbank, wo er den Hitlergruß verweigert hatte, weg als Luftwaffenhelfer zur FLAK (Fliegerabwehrkanonen) eingezogen wurde. Im Dezember 1944 wurde er gemeinsam mit gleichaltrigen Luftwaffenhelfern zum Fronteinsatz zur Infanterie abkommandiert. Nach der bestandenen Tauglichkeitsprüfung wollte er mit seinem Freund die vorbereiteten Wehrpässe abholen. Doch es fehlten die Passfotos dafür, die sie nachbringen sollten.

Folgendes erzählte mein Vater: „Gerade allein mit dem diensthabenden Unteroffizier wagten wir die Frage: ‘Was, wenn wir die Fotos nicht bringen?’ Seine Antwort im Flüsterton: ‘Kennt ihr das 11. Gebot?’ Ja – wir wussten Bescheid. Es lautet: Du sollst dich nicht erwischen lassen. Ich wurde nicht erwischt, und so war es möglich, das Kriegsende in Wildegg zu überstehen.“ Gemeinsam mit seiner fünfmal ausgebombten Familie und anderen Flüchtlingen aus Wien.

Als die Russen kamen, konnte er mit seinen Slowakisch- und geringen Russisch-Kenntnissen zwischen den Wildegger Flüchtlingen, den Bauern und Bäurinnen der Umgebung und den russischen Soldaten vermitteln. So konnte er viel Leid verhindern. Viel besser als Leid an der Front verursachen. Seine Abenteuer in Wildegg hat er auch aufgeschrieben.

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Aber zumindest einer der vielen Wehrmachtsdeserteure, der heute 91-jährigen Richard Wadani, wird die Enthüllung des Denkmals hoffentlich noch erleben. Ein großartiger Mensch, der die Grünen Anstrengungen für das Denkmal natürlich ständig unterstützt und unermüdlich kämpfend angetrieben hat. Auch das „Personenkomittee Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz“ unterstützte die Arbeit der Grünen. Das Personenkomittee hat auch 2009 die Deserteursausstellung „Was damals Recht war…“ von Deutschland nach Wien geholt und immer wieder für öffentliche Diskussionen rund um den Themenkomplex gesorgt.

Jahrzehntelang erst verschwiegen, dann als Kameradenmörder beschimpft, von ÖVP und FPÖ beleidigt, von der SPÖ im Stich gelassen, werden die Wehrmachtsdeserteure bald die Anerkennung bekommen, die ihnen gebührt. Noch innerhalb eines Jahres. Dann werden wir beim enthüllten Denkmal am Ballhausplatz gemeinsam mit Richard Wadani feiern, ich im Gedenken an meinen Vater.

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