Das Siegerprojekt des Architekturwettbewerbs für die Neugestaltung des Areals des Wiener Eislaufvereins (WEV) und des Hotels Intercontinental sorgt für nicht enden wollende Aufregung. Dabei ist noch so viel zu klären, bevor man es endgültig beurteilen kann.

Es gibt kein umsetzbares Projekt. Es gibt eine Vision des brasilianischen Architekten Isay Weinfeld. Nach Ansicht vieler ExpertInnen bringt diese wenig Visionäres, dafür jede Menge ungelöster Fragen und heftige Kritik.

Von Anfang an war klar, dass die UNESCO, die über dem Weltkulturerbe Wien wacht, keine Gebäudehöhe über dem bestehenden Hotel (45 m) akzeptiert. Trotzdem entschied sich die Wettbewerbsjury für einen Entwurf, der sowohl einen 73 m hohen Turm als auch die Aufstockung und Verlängerung des vielkritisierten aktuellen Hotelbaus vorsieht. Eine lange Liste österreichischer Architekturgrößen, allen voran Friedrich Achleitner und Gustav Peichl, sowie wesentliche Architekturinstitutionen gingen mit diesem Urteil hart ins Gericht.

Blick von der Beatrixgasse. Fotomontage: Prof. M Kupf

Blick von der Beatrixgasse. Fotomontage: Prof. M. Kupf

Der WEV, der das Grundstück bis 2058 gepachtet hat, betont, dass er nicht auf die Angebote des Projektinvestors angewiesen und sehr wohl imstande sei, das WEV-Gelände selbst zu sanieren. Ohne seine Zustimmung geht am Areal gar nichts. Und die gibt es noch nicht.

Das Konzerthaus begrüßt zwar die Schaffung von kulturell nutzbaren öffentlichen Räumen, listet aber eine Reihe von Nachteilen auf wie etwa die auf den Gehsteig vorgezogene Eisfläche.

Der Fachbeirat für Stadtplanung und Stadtgestaltung fordert ein Freiraumkonzept und die Klärung von Fragen der stadtstrukturellen Wirkung des Entwurfs. In der Tat löst die Wirkung der massigen Blöcke heftige Emotionen aus.

Blick vom Beethovenplatz. Fotomontage: Prof.M. Kupf

Blick vom Beethovenplatz. Fotomontage: Prof.M. Kupf

Die AnrainerInnen in den Häusern Am Heumarkt fürchten eine Verschlechterung der Wohnqualität durch den Turm und das Gebäude Am Heumarkt, das die Höhe des Konzerthauses erreichen soll. ExpertInnen kritisieren, dass der Standort die Kubaturdichte nicht verträgt. Die Initiativen für Stadtbild– und Denkmalschutz monieren, dass der so genannte Canaletto-Blick vom Belvedere aus und die Sichtachsen von den meisten anderen Aussichtspunkten auf die Stadt massiv beeinträchtigt würden. Dominiert von einem kistenartigen Luxuswohnturm für Superreiche.

Blick vom Belvedere aus, der so genannte Canaletto-Blick. Fotomontage: Prof. M. Kupf

Blick vom Belvedere aus, der so genannte Canaletto-Blick. Fotomontage: Prof. M. Kupf

Bleibt als Fazit: Die WEV-Generalsanierung kann der WEV selbst durchführen. Die Eishockey-Trainingshalle wird nicht unbedingt gebraucht. Die Durchwegung wäre auch jetzt schon realisierbar. Auf der Habenseite somit: Ein Turnsaal fürs akademische Gymnasium, ein zusätzlicher Konzertsaal, ein Schwimmbad. Erkauft wird dies mit einem überdimensionierten Fremdkörper mitten im Kulturerbe. Dass Isay Weinfelds Wunsch, endlich einmal ein Bordell bauen zu können, hier vorerst nicht verwirklicht wird, macht das Projekt nicht besser.

Blick vom Wiental. Fotomontage: Prof. M. Kupf

Blick vom Wiental. Fotomontage: Prof. M. Kupf

 

 

 

 

 

 

Blick vom Schwarzenbergplatz. Fotomontage: Prof. M. Kupf

Blick vom Schwarzenbergplatz. Fotomontage: Prof. M. Kupf

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